Industrieoffensive Märkische Region: Wachstum ist weiterhin möglich, aber die Wachstumslogik hat sich verändert

03. August 2026

Ziel der Industrieoffensive Märkische Region, zu deren Partnern ZENIT gehört, ist es, Unternehmen bei der Erschließung neuer Märkte und zukunftsfähiger Geschäftsmodelle zu unterstützen. Nachhaltig gestärkt werden sollen damit die industrielle Wettbewerbsfähigkeit und die Resilienz der Region. Fragen dazu beantwortet Florian Engels, der bei ZENIT Projektleiter für die Initiative ist. Foto. Focused on You Photography I Nadine Maier

Die Auftaktveranstaltung der Industrieoffensive Märkische Region war mit rund 120 Teilnehmenden ein großer Erfolg. Was ist dir an diesem Tag besonders aufgefallen?

Mich hat vor allem die große Offenheit und das Interesse der Unternehmen beeindruckt. Viele Betriebe stehen aktuell vor komplexen Herausforderungen unterschiedlichster Art, darunter Demographie, Digitalisierung, De-Globalisierung aufgrund veränderter internationaler Wettbewerbsdynamiken oder die Dekarbonisierung ihrer Produkte und Prozesse. Gleichzeitig war deutlich spürbar: Die Unternehmen wollen aktiv gestalten und neue Chancen nutzen. Dass sie ein solches Angebot nutzen, zeigt, dass sie die Möglichkeit wahrnehmen, ihre Perspektiven und Herausforderungen einzubringen.

Genau hier setzt die Industrieoffensive an. Wir möchten Unternehmen dabei unterstützen, neue Perspektiven zu entwickeln, vorhandene Kompetenzen weiterzudenken und gemeinsam Lösungen für die Zukunft zu erarbeiten. Dass so viele Vertreterinnen und Vertreter aus Unternehmen, Institutionen und Organisationen unserer Einladung zur Auftaktveranstaltung in die SIHK zu Hagen gefolgt sind, zeigt, wie groß der Bedarf an Austausch, Vernetzung und konkreten Unterstützungsangeboten in der Region ist.

Ein zentrales Thema der Veranstaltung war die Erschließung neuer Märkte. Warum ist das gerade jetzt so wichtig?

Ein Satz von Prof. Dr. Jan-Philipp Büchler ist mir besonders in Erinnerung geblieben: „Wachstum ist weiterhin möglich, aber die Wachstumslogik hat sich verändert.“ Genau diese Veränderung erleben viele Unternehmen derzeit. Es geht nicht mehr ausschließlich darum, bestehende Produkte und Märkte weiterzuentwickeln. Entscheidend ist die Fähigkeit, die eigenen Kompetenzen neu zu denken und auf andere Anwendungen, Branchen und Märkte zu übertragen.

Dieses applikationsunabhängige Denken eröffnet neue Wachstumschancen. Die Auftaktveranstaltung hat mit den Themenfeldern „Mobilität der Zukunft – Bahn & Infrastruktur“, „High-Tech für die Sicherheit – Defense Industry“, „Präzision für die Gesundheit – Medizintechnik“ und „Globaler Erfolg – Strategische Internationalisierung“ bereits wichtige Perspektiven aufgezeigt. Viele weitere Branchen analysieren wir derzeit, um die technologischen Stärken der Region hier zu platzieren.

Welche konkreten Unterstützungsangebote können Unternehmen im Rahmen der Industrieoffensive erwarten?

Unser Ziel ist es, Unternehmen nicht nur Impulse zu geben, sondern sie bei der konkreten Marktentwicklung zu begleiten. Dazu gehören beispielsweise Unterstützung bei der Identifikation neuer Anwendungsfelder, beim Applikationstransfer, bei der Erschließung neuer Branchen oder bei der strategischen Internationalisierung mit Hilfe von Matchmaking- und Austauschformaten sowie Delegationsreisen.

Ergänzt wird das Angebot durch branchenbezogene Strategie- und Applikationstransferworkshops sowie weitere bedarfsorientierte Formate. Dabei entwickeln wir keine Lösungen von der Stange. Die Themen und Inhalte entstehen gemeinsam mit den Unternehmen aus der Region. Denn nur wenn die Angebote an den tatsächlichen Herausforderungen der Betriebe ansetzen, können sie nachhaltig Wirkung entfalten.

Grundsätzlich: Mittelständischen Unternehmen aus NRW stehen eine ganze Reihe an Zuschüssen für Innovationen, Forschung und Investitionen zur Verfügung. Damit können solche Projekte kosteneffizienter, umfassender oder schneller umgesetzt und die Projektergebnisse früher vermarktet werden. Wir wissen, welche Programme Sie weiterbringen.

Was unterscheidet die Industrieoffensive von klassischen Beratungsangeboten?

Die Industrieoffensive ist kein Papiertiger. Sie ist ein gemeinsames Unterstützungsangebot der Wirtschaftsförderungen der Region, der Kammern und ZENIT als Transformationsagentur des Mittelstands in NRW.. Gemeinsam bündeln wir Kompetenzen, Netzwerke und Erfahrungen, koordinieren bestehende Angebote und entwickeln dort Befähigungsformate, wo Unternehmen konkrete Unterstützung benötigen.

Unser Ziel ist es, zentrale Zukunftsthemen für die industriell geprägte Märkische Region gemeinsam voranzubringen, relevante Cluster und Wertschöpfungsketten zu stärken und damit einen Beitrag zur langfristigen Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit der Region zu leisten.

Dabei ist die Beteiligung der Unternehmen ein entscheidender Erfolgsfaktor. Die Unternehmen kennen ihre Märkte, Technologien und Herausforderungen am besten. Deshalb entwickeln wir die Industrieoffensive nicht für die Unternehmen, sondern mit ihnen. Die Rückmeldungen aus der Auftaktveranstaltung und den im Anschluss durchgeführten Unternehmensbesuchen fließen direkt in die nächsten Angebote ein.

Wie geht es jetzt weiter – und wie können Unternehmen die Industrieoffensive mitgestalten?

Mit dem Rückenwind der Auftaktveranstaltung geht es für uns nun in die koordinierte Umsetzung. Wir vertiefen die Bedarfsanalyse mit aktuellen Branchenstrukturdaten und leiten daraus zunächst greifbare Kompetenz- und Technologieprofile ab. Damit können wir individuelle Wertschöpfungsbeziehungen modellieren und in die weiteren Informations- und Befähigungsworkshops starten. Dabei möchten wir möglichst nah an den Unternehmen bleiben und gemeinsam mit ihnen die Themen bearbeiten, die für ihre Zukunftsfähigkeit entscheidend sind.

Ob neue Märkte, neue Anwendungen oder strategische Fragestellungen – je früher wir miteinander ins Gespräch kommen, desto besser können wir passende Angebote entwickeln.


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