Start-up entwickelt Überwachungs- und Verwaltungssystem: Software vielfältig einsetzbar

Start-up entwickelt Überwachungs- und Verwaltungssystem: Software vielfältig einsetzbar

Knapp 30 Millionen Schweine gibt es zurzeit in 22.900 deutschen Ställen und mit einem pro-Kopf-Verbrauch von 36 Kilo ist ihr Fleisch bei Verbraucherinnen und Verbrauchern das mit Abstand beliebteste. Bei einem momentan extrem niedrigen Schlachtpreis von nur 160 Euro pro Sau aus konventioneller Haltung sind die Erzeuger auf der Suche nach Systemen, die bei der Kostenminimierung helfen. Ein solches hat das Bochumer Start-up BioCV mit einer Ohrmarke entwickelt, die Daten zu Körpertemperatur und Bewegungsabläufen an ein Dashboard übermittelt, das bei kritischen Ereignissen Warnhinweise sendet.

„Eigentlich sollte die im Rahmen meines Informatikstudiums entwickelte Technik in Industrieanlagen zum Einsatz kommen“, erinnert sich Firmengründer Moritz Gansel. Als aber ein Geschäftspartner vom riesigen Bedarf in der Schweinezucht berichtete, orientierte sich der gelernte Mechatroniker kurzfristig um. Ähnliche Angebote gab es bislang nur für die Rinderhaltung. Die Herausforderungen beim Thema Schwein lagen sowohl in der Haltbarkeit der Ohrmarken, die von Artgenossen gerne angeknabbert werden, als auch im Preis.

Das zurzeit im Testbetrieb eingesetzte System überwacht und verwaltet Parameter wie Körpertemperatur und das Bewegungsverhalten der Tiere und kann damit nicht nur Auffälligkeiten wie Krankheiten oder Probleme mit dem Bewegungsapparat übermitteln. Von zentraler Bedeutung für den erwarteten Erfolg des Systems ist auch die Überwachung und Vorhersage der Rausche, dem Zeitpunkt, an dem eine Sau empfängnisbereit ist. Das System informiert über die perfekte Belegungszeit und spart damit teure Medikamente und Hormone ein.

Im Dashboard können zusätzlich individuelle Informationen zu den einzelnen Tieren hinterlegt werden. Dazu zählen alle relevanten Daten für Zucht und Mast sowie ökonomische Parameter. Weil das System die komplette Wertschöpfungskette über Züchter, Mäster, Schlachter und Logistik verfolgt, dient es auch dem Tierwohl, da kontrolliert werden kann, ob die gesetzlichen Bedingungen eingehalten werden.

Langfristig soll auch die Möglichkeit entstehen, den Tieren einen zertifizierten Lebenslauf auszustellen. Damit wird dem Endverbraucher z.B. durch einen QR-Code auf der Fleischverpackung die Möglichkeit gegeben, Informationen zum Tier einzuholen. Verwendet wird dafür eine innovative und dezentrale Datenlösung namens “IOTA“, die es erlaubt, Daten fälschungssicher zu speichern.

Überzeugt von der Zukunftsfähigkeit des Angebots konnten die Bochumer bereits Ferkelerzeuger, Mastbetriebe und Schlachtbetriebe auch aus dem Ausland als Partner gewinnen. Darüber hinaus arbeiten einige Hersteller von Managementsystemen schon an einer Integration der angebotenen Leistungen.

In Serienproduktion soll das System Ende des Jahres gehen. Zum Umsatz beitragen wird neben dem Verkaufspreis von rund acht Euro pro Marke vor allem die Bereitstellung der durch Algorithmen und neuronale Netzwerke erhobenen Daten. Die Lösungen und Services selbst lassen sich problemlos in bereits von vielen Betrieben genutzten Computeranwendungen und Verwaltungsprogrammen integrieren.

ZENIT-Förderberatung für Weiterentwicklung

Schon jetzt denken die BioCV-Verantwortlichen an den Ausbau des Systems. Ziel ist dessen Weiterentwicklung in Richtung Telemedizin, um die beobachteten Auffälligkeiten der Tiere spezifizieren zu können. Dafür arbeitet man unter anderem mit Veterinären zusammen.

Zur Finanzierung des ehrgeizigen Vorhabens nahm Moritz Gansel Kontakt zu den ZENIT-Fördermittelexperten auf. Gemeinsam entwickelte man einen Projektantrag im Instrument EIC Accelerator des europäischen Forschungsrahmenprogramms, das hoch-innovative kleine und mittlere Unternehmen bei der Umsetzung ihrer Innovationsprojekte von der Idee bis zur Markteinführung unterstützt.

„Wir hoffen, dass der Antrag erfolgreich sein wird, sind aber bereits jetzt glücklich, mit BioCV ein solch junges, innovatives Unternehmen als neues Mitglied im Netzwerk ZENIT begrüßen zu können“ freut sich ZENIT-Start-up-Experte Benno Weißner.

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Benno Weißner
Benno Weißner Dipl.-Geogr.
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