Sprunginnovation in der Umwelttechnik: mit Mikrobläschen gegen Mikroplastik

Sprunginnovation in der Umwelttechnik: mit Mikrobläschen gegen Mikroplastik

Foto: © SPRIND, Leipzig – Fotograf: Mattia Balsamini, Mailand/Venedig

Wasser ist sein Element. Rund 300 Projekte in über 50 Ländern hat Roland Damann als Perfektionierer einer bereits im Mittelalter bekannten Technologie mit der von ihm patentierten Mikroflotation mit seinem Ingenieurbüro enviplan® auf den Weg gebracht. Eingesetzt wird die Technologie vor allem in der industriellen und kommunalen Wasseraufbereitung. Was zur Verbesserung der Wasserqualität bislang vorrangig über fest montierte Anlagen unter anderem an Ufern von Seen und Flüssen möglich ist, soll in Zukunft auch im großen Stil funktionieren und kleinste Plastikpartikel aus Meeren und Ozeanen herausfischen. Unterstützt wird die Idee des langjährigen Netzwerk ZENIT-Mitglieds von SPRIND, der Bundesagentur für Sprunginnovationen. Ein Prototyp ist bereits fertig.

Im kleinen Lichtenau-Henglarn in der Nähe von Paderborn sind Innovationen Programm. Statistisch gesehen fallen auf jeden der 20 Mitarbeiter, von denen 60 Prozent Frauen sind, zwei Patente. Damit gehört man in der Branche zu den innovativsten Unternehmen für industrielle und kommunale Abwasserbehandlungsanlagen.

Wie wichtig das Thema Mikroplastik ist, belegen einige Zahlen: Rund 8 Milliarden Tonnen Plastik wurden seit den 1950er Jahren produziert, nur 30 Prozent davon recycelt. Etwa 140 Millionen Tonnen landen vor allem über Flüsse jährlich in den Weltmeeren oder dem Grundwasser und letzten Endes auch in uns. „Jede Woche nehmen wir damit quasi die Plastikmasse einer Kreditkarte in unseren Organismus auf“, weiß Damann. In dem Forschungsprojekt, für das er zwei neue Mitarbeiterinnen eingestellt hat, wird in den kommenden Monaten unter anderem geschaut, wie die Hotspots in Flüssen und Meeren optimal zu lokalisieren sind und wie sich das Mikroplastik mit dem 2019 patentierten Verfahren bestmöglich beseitigen lässt. Gedacht wird aber auch in kleineren Dimensionen. So sollen kostengünstige mobile Anlagen entwickelt werden, die zum Beispiel an Regenrückhaltebecken nur bei erkanntem Bedarf arbeiten.

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2001: die erste gemeinsame Aktivität von ZENIT und enviplan®

„Seit 20 Jahren sind die Internationalisierungs- und Förderexpertinnen und -experten bei ZENIT bzw. im NRW.Europa-Team meine Antreiber und Begleiter. Ohne ZENIT hätten wir nicht die internationalen Märkte für uns entdeckt und wären nicht das, was wir heute sind.“ Roland Damann, Geschäftsführer der enviplan® Ingenieurgesellschaft mbH

Eine Luftblasenwolke für plastikfreies Wasser

Über die Jahre ist es gelungen, die Mikroflotation zum Standard in der Abwasserbehandlung zu entwickelt. Die Methode – hydrophobe Partikel werden an Gasblasen gebunden und von den aufsteigenden Blasen an die Oberfläche transportiert – wurde immer weiter perfektioniert. Aber Roland Damann will mehr, das System noch intelligenter machen und es ohne feste Anlage in Seen, Flüssen und Meere einsetzen: „Wir werden einen kompakten Schwimmring als Träger aufs Wasser setzen. In der Mitte des Rings produzieren wir bei einem Betriebsdruck von weniger als 3 bar Mikrobläschen mit einem Durchmesser von 30-50 Mikrometer. Das ist rund ein Drittel eines Haares. Sie bilden eine nebelartige Blasenwolke mit extrem hoher Blasendichte – zwei Milliarden Blasen pro Liter, die alle ganz langsam aufsteigen, dabei auch feinste Mikroplastikpartikel wie ein Magnet anziehen, festhalten und an die Oberfläche transportieren. Dort ziehen wir alles ab – und haben dann so gut wie 100 Prozent mikroplastikfreies Wasser. Ohne Chemie, wartungsfrei, mit extrem geringem Energieaufwand.“

Ob die Bundesagentur für Sprunginnovationen eine Kapitalgesellschaft aus dem Projekt gründen wird, ist zurzeit noch ebenso offen, wie es die Rolle von Roland Damann in diesem neuen Unternehmen ist. „Aber diese Überlegungen haben noch Zeit, wichtig ist es jetzt vor allem, die Herausforderungen zu meistern“ meint Damann.

Hintergrund

enviplan® plant und baut Anlagen zur Abwasserbehandlung nicht nur, sondern betreibt sie auch im Kundenauftrag. Das Unternehmen deckt sowohl konventionelle als auch innovative Technologien sowie physikalische und biologische Prozesse ab. Es verfügt über eine mehr als 30-jährige Expertise in allen Behandlungsstufen (Vor-, Primär-, Sekundär- und Tertiärbehandlung). Oft ist die Mikroflotation dabei in diese Prozesse integriert. Die Ingenieurinnen und Ingenieure der GmbH begleiten ihre Kunden von der ersten Projektidee über die Entwicklung bis zur Umsetzung – ganz gleich, ob es sich um ein kleines und mittelständisches Unternehmen oder ein multinationales Unternehmen handelt.


Homepage enviplan®

Projektbeschreibung auf der SPRIND-Homepage

ZENIT-Kontakt

Sabrina Wodrich
Sabrina Wodrich staatl. anerk. Übersetzerin
  • Internationalisierung
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