Nicht planbar und doch überzeugend: Produktschmiede bringt Entwickler und Produzenten zusammen

Nicht planbar und doch überzeugend: Produktschmiede bringt Entwickler und Produzenten zusammen

Ob Innovationsworkshop, Makerspace oder Kontaktbörse: Im EU-Projekt iProduce finden Unternehmen, Wissenschaftler und Privatpersonen zueinander, um Ideen auszutauschen, Prototypen zu bauen und manchmal auch den richtigen Partner für eine erste Kleinserie eines innovativen Bürostuhls aufzulegen. Passiert ist das kürzlich im iProduce-Format Produktschmiede, in dem sich das Ingenieurbüro Vintus und das Rheinbacher Unternehmen rossbach-wojtun trafen. Foto: iStock gorodenkoff

„Wir sind zum Produktschmiede-Workshop gefahren, um die eigene Perspektive zu wechseln. Und zurückgekommen mit neuen Impulsen, spannenden Kontakten, und der Serienproduktion für unser Produkt Hipwings“, erinnert sich Vintus-Geschäftsführer Dr. Johannes Wappenschmidt. Dass sich die ursprüngliche Teilnahmeidee für das Düsseldorfer Start-up anders entwickelte als gedacht, war kein Manko, sondern eher systemimmanent für das Workshopformat. Denn möglich ist alles, kein Ziel im Vorfeld festgelegt. Genau das sei die Idee des Angebots, sagt ZENIT-Beraterin Sabrina Wodrich. ZENIT ist Partner der deutschen Pilotregion des Horizont2020-Projektes iProduce. Gemeinsam mit dem MakerSpace Bonn und dem Fraunhofer Institut für angewandte Informationstechnik spricht sie Unternehmen und andere interessierte Akteure an, um die Makerbewegung kennenzulernen und erste Erfahrungen im MakerSpace Bonn zu machen. Vintus kannte sie aus dem NRW.Europa Projekt.

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Die Idee für den innovativen Bürostuhl hatte Johannes Wappenschmidt schon mitgebracht. „Hipwings“ heißt das smarte Sitzsystem, das konzentriertes Arbeiten und Bewegung zur gleichen Zeit ermöglicht. Damit dies gelingt, regen Hipwings den menschlichen Körper mit motorisch bewegten Sitzteilen laufend zu kleinen Bewegungen während der Arbeit an. Die Nutzerinnen und Nutzer können sich deshalb voll auf ihre Arbeit konzentrieren und die regelmäßige Bewegung im Arbeitsalltag dennoch nicht vergessen. Eine intelligente Software passt die Bewegungen zusätzlich an individuelle Bedürfnisse, aber auch an die jeweilige Arbeitssituation an. Entstanden ist das Konzept an der Schnittstelle zwischen Medizin und Technik. Es wurde an der RWTH Aachen gestartet und wird mit medizinischen Studien an der Ruhr-Universität Bochum fortgeführt. Das Vorhaben wurde aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert.

Von der Idee zum Testumfeld für innovative Kleinserienfertigung

Der Workshoptag war Startpunkt einer wichtigen Entwicklung. Mit dem Fraunhofer FIT tauschte sich Vintus über praxisnahe Innovationsprozesse aus, mit dem Makerspace Bonn über Prototypingverfahren und mit der Firma rossbach-wojtun GmbH & Co. KG über die verschiedenen Aspekte einer Serienfertigung. Dabei ergaben sich spannende Impulse in bisher nicht vorhergesehenen Bereichen. Schnell war klar, dass sich die umfangreiche Fertigungsexpertise von rossbach-wojtun auf spannende Weise mit den experimentellen Ansätzen von Vintus kombinieren ließ.
So entstand nicht nur die Absicht der Serienfertigung, sondern gleichzeitig die Idee, ein Testumfeld für innovative Ansätze in der Kleinserienfertigung zu schaffen, um z.B. den 3D-Druck mit dem Werkstoff Holz auszuprobieren. Dazu entwickelten die Partner Abläufe für das Sourcing, die Produktion, Montage, und Qualitätskontrolle und testen diese zurzeit mit der Produktion einer kleinen Nullserie von 20 Stück, mit der die Produktionsabläufe für größere Stückzahlen geplant werden können.

Hackathon am 21. und 22. April in Bonn
iPRODUCE ist auf der Suche nach den innovativsten und kreativsten Ideen innerhalb der Maker- und DIY-Community. Wer sein kreatives Potenzial ausleben möchte, ist beim iPRODUCE Hackathon genau richtig. Stattfinden wird er am 21. und 22. April im MakerSpace Bonn. Zur Realisierung von Projektideen stehen die Ausstattung des MakerSpace und die in iPRODUCE entwickelten Tools zur Verfügung. Alternativ können sich Teams auch online beteiligen.
Weitere Informationen

Der Workshop „Produktschmiede“ hat Akteure aus unterschiedlichen Bereichen zusammengebracht. Wie es für Innovationsvorhaben typisch ist, ließ sich das Ergebnis weder planen noch vorhersagen. Im Ergebnis hat er dazu beigetragen, dass Hipwings, die bereits in NRW entwickelt und auch an NRW-Hochschulen wissenschaftlich untersucht wurden, nun von rossbach-wojtun in NRW produziert werden können“, freut sich Sabrina Wodrich.

Auch Jörg Wojtun, Geschäftführer der rossbach-wojtun GmbH & Co. KG , die sich unter anderem mit der hochwertigen Montage von Baugruppen beschäftigt, sieht das Potenzial: „Über iPRODUCE und ZENIT haben wir einen weiteren Einstieg in die Start-up Szene bekommen und konnten durch unser Serien- und Montageknowhow überzeugen und unterstützen. Getreu unserem Firmenmotto: rossbach-wojtun – wissen wie’s geht!“

Projektseite iProduce
Homepage Hipwings
Homepage rossbach-wojtun GmbH & Co. KG

Zweiseiter iProduce Ideenschmiede (pdf)  

ZENIT/NRW.Europa-Kontakt

Sabrina Wodrich
Sabrina Wodrich staatl. anerk. Übersetzerin
  • Internationalisierung
  • Nachhaltigkeitsmanagement