Neues Netzwerk ZENIT-Mitglied Loick: Vom Landwirt zum Komplettanbieter C02-freier Produktionsanlagen

Neues Netzwerk ZENIT-Mitglied Loick: Vom Landwirt zum Komplettanbieter C02-freier Produktionsanlagen

Rund 460 Jahre alt ist der Dorstener Hof der Familie Loick, auf dem jahrzehntelang Mais als Lebensmittel und Viehfutter angebaut wurde. Maisfelder gibt es immer noch – allerdings mit einem komplett anderen Geschäftsmodell. Die Loick AG ist mittlerweile europäischer Marktführer im Bereich biologisch abbaubarer Verpackungsmaterialien, Entwickler des bei Kindern ungemein beliebten PlayMais´, vertreibt kompostierbares Geschirr und entwickelt sich mit Biogasanlagen mehr und mehr zum Komplettanbieter CO2-freier Produktionsanlagen. Zum Umsatz von jährlich rund 70 Mio. Euro tragen mehrere Tochterfirmen mit insgesamt 120 Mitarbeitenden bei. Etwa 30 Prozent davon werden im Ausland erwirtschaftet – Tendenz steigend.

„Nur das, was nachhaltig verkäuflich ist, hat Erfolg“ sagt Hubert Loick aus Erfahrung. Dabei war es zunächst kein Idealismus, der den gelernten Landwirt Anfang der 1990er Jahre dazu antrieb, neue Wege zu gehen. Die Preise für Mais waren im Keller und Überproduktion diktierte den Markt. Beim Anblick von Erdnussflips, die mehr aus Maismehl, denn aus Erdnüssen bestehen, kam ihm die Idee für ein biologisch abbaubares Verpackungsmaterial, mit dem sich pro Hektar mehr verdienen lassen sollte als mit der üblichen Maisverarbeitung. Anbieter passender Maschinen fand er zunächst nicht und so musste er nach England gehen, um die ersten verwertbaren Verpackungs-Chips in Händen halten zu können. Was bescheiden anfing, gehört heute zu den wichtigsten Standbeinen der AG und wird unter anderem in Kooperation mit Forschungseinrichtungen wie dem Oberhausener Fraunhofer Umsicht oder der Uni Dortmund ständig weiterentwickelt, um unterschiedlichste Kundenanfragen zu befriedigen. Unproblematisch ist dies, wenn ein Telefonanbieter seine FARMfill®-Chips ausschließlich in Magenta haben möchte, komplizierter wird´s zum Beispiel, wenn es um den Verpackungsinhalt von Kühlboxen für empfindliche Lebensmittel geht.  

Ein wesentlicher Innovationsschritt gelang vor einigen Jahren, als die durch Luft aufgeschäumten und damit sehr voluminösen Chips in eine Granulatform gebracht werden konnten. Das spart viel Raum beim Transport und damit riesige Mengen an CO2 ein. Um sie am Zielort wieder in ihre gewünschte Form zu bringen, wurden entsprechende Maschinen entwickelt.

Marktstudie zu Polen vom NRW.Europa-Team

Apropos Zielort. Hubert Loick ist sicher, dass viele Produkte zukünftig nicht mehr in China, sondern direkt in Europa eingekauft werden. Um diese Nachfrage zu bedienen, plant er weitere Standorte für die Chip-Maschinen. Konkret für den anvisierten Standort in Polen hat das NRW.Europa-Team bei ZENIT kürzlich eine Marktstudie erstellt, um unter anderem Mietpreise, Personalkosten, Verfügbarkeit von Mitarbeitern, DIN-Vorschriften, potenzielle Kooperationspartner und Kunden aus den Branchen Maschinenbau, Ersatzteile, Automobilindustrie, Lebensmittel und Aerospace zu recherchieren.

Spielerisch die Welt erobern

Mittlerweile bis nach China vertrieben wird der im Jahr 2000 auf den Markt gebrachte PlayMais®, mit dem sich ganze Kindergarten- und Grundschulkindergenerationen kreativ die Welt erschließen. Die zylinderförmigen kleinen Stücke lassen sich verformen, pressen und schneiden, bestehen aus Mais und Lebensmittelfarbe und sind damit zu 100 Prozent biologisch abbaubar, gesundheitlich völlig unbedenklich und frei von Schadstoffen.

„Dieses Geschäftsfeld hat einen wesentlichen Anteil am Bekanntheitsgrad unseres Unternehmens, weil man damit tolle Geschichten erzählen kann“ weiß Britta Loick, die im Unternehmen für das Marketing zuständig ist. Dabei geht es nicht nur um die Themenfelder, die sich beim Spielen mit dem vielseitigen Material aufgreifen lassen, sondern etwas Größeres:
„Der PlayMais ist ein Symbol für unsere Firmenphilosophie `innovativ, nachhaltig, verantwortungsvoll´ und zeigt, dass Ökonomie und Ökologie nicht im Widerspruch zueinander stehen müssen.“

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Wie diese beiden Welten zusammengewachsen sind, zeigt ein weiteres Standbein des Unternehmens – die Biogasanlagen.

Mit Biogasanlagen zum autarken Kreislaufwirtschaftssystem

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„Wir haben nichts weniger als eine Vision und geben alles, um die Landwirtschaft als Ver- und Entsorger in ein geschlossenes Kreislaufwirtschaftssystem einzubinden“ sagt Hubert Loick, der auf seinem Hof schon lange energie-autark ist. Was im kleinen Rahmen für den persönlichen Verbrauch und die Produktion entwickelt wurde, ist heute die dritte große Säule des Unternehmens. „Unsere mittlerweile 30 Biogasanlagen im In- und Ausland produzieren stündlich zirka 35 Megawatt und jeden Monat werden es mehr. Biomasse hat ein enormes Potenzial und wir haben uns zum Dienstleister und Komplettanbieter für Anlagen entwickelt, die auch andere Unternehmen autark werden lassen.“

Der Weg dorthin ist vielfältig und so wundert es nicht, dass Hubert Loick gerade an einem Wasserstoffprojekt und der Etablierung mobiler Sonnenkraftwerke arbeitet. Ihr Mann sei derart umtriebig, dass dafür kürzlich eine eigene GmbH gegründet wurde: die Loick-Ideen-Schmiede, freut sich Britta Loick.

Zum Konzern gehören außerdem die Loick Biowertstoff GmbH, die für die Produktion von Verpackungs-Chips und PlayMais® zuständig ist, die Loick Trade GmbH, die den Vertrieb aller Produkte verantwortet und die Loick Bioenergie GmbH.  

Die Produktion von Biowert- und -kunststoffen aus nachwachsenden Rohstoffen und die energetische Verwertung der anfallenden Biomasse haben den einstigen Bauernhof zu einer Innovationsschmiede gemacht, die ein Adäquat ihrer Protagonisten ist. Denn für die ist Nachhaltigkeit kein Modebegriff, sondern eine Lebensphilosophie.

„Wir sind ins Netzwerk ZENIT eingetreten, weil wir glauben, dass wir hier auf andere innovative Akteure treffen und freuen uns darauf, das Thema Nachhaltigkeit in Nordrhein-Westfalen, aber auch international zu forcieren.“ Britta und Hubert Loick

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Homepage Loick AG

ZENIT/NRW.Europa-Kontakt

Agnieszka Kaminska-Swiat
Agnieszka Kaminska-Swiat M.Sc.; M.A.
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Michael Nolden Dipl.-Ing.
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