Investoren gesucht: Netzwerkmitglied baut Pilotanlage für die Herstellung von CO2-neutralem Hybridkraftstoff

Investoren gesucht: Netzwerkmitglied baut Pilotanlage für die Herstellung von CO2-neutralem Hybridkraftstoff

Die Politik fordert sie und die Anwender wollen sie, die CO2-neutralen Kraftstoffe der Zukunft. Getan hat sich in den letzten Jahren viel, aber innovative Verfahren wie das der TPT Technologies GmbH mit Sitz im Petershagen haben es dennoch schwer. Trotz Dekra-Gutachten, das die Funktion der patentgeschützten Herstellung von CO2-freiem Hybridkraftstoff aus organischen Reststoffen bestätigt, rennen sie keine offenen Türen bei Fördergeldgebern ein. Zum Bau einer Anlage im Industriemaßstab in Ostwestfalen sucht das Netzwerk ZENIT-Mitglied deshalb Investoren.

Ein Land wie Deutschland mit nur wenigen eigenen Energieressourcen aber umso mehr Müll, sollte eigentlich alles daransetzen, Abfälle sinnvoll zu nutzen. Das zumindest dachte sich der Erfinder des innovativen Verfahrens und gründete 2008 die Entwicklungsgesellschaft MME. Die Idee basierte auf alter Technik, nämlich die in der Biomasse enthaltenen Kohlenwasserstoffmoleküle thermisch freizusetzen. Allerdings nicht wie beim Holzvergaser direkt zu verbrennen, sondern zu verflüssigen. So entstand das 1-Stufen-Verfahren zur Direktverflüssigung von Biomasse. Kurz:  TPT = Thermisch-Physikalische-Transformation.  

Über eine Entwicklungsreihe von sieben Maschinengenerationen entstand der Anlagentyp OM 1000, der heute als Nullserie für die Inputkapazität von mindestens 1.000 kg pro Stunde Biomasse gilt. Mit einer vollautomatischen Steuerungstechnik der Firma Schaper Elektrotechnik aus Herford wurden an diesem Anlagentyp wie in Großkraftwerken alle Prozesse im Verfahren geprüft, geregelt und protokolliert. Das Alleinstellungsmerkmal der Anlage liegt im einstufigen Verfahren, das die Rohdieselherstellung laut Wirtschaftsprüfer um rund 60 Prozent günstiger macht als die herkömmliche Fischer-Tropsch-Synthese. Entsprechende Anlagen verkohlen erst die Biomasse, vergasen dann die Kohle und gehen mit dem Gas dann über eine Abkühlstrecke zur Verflüssigung.   

In der 2009 gebauten letzten Prototypenanlage im Industriemaßstab wurden 2010 rund 115.000 Liter „TPT-Diesel“ nach DIN EN 590 produziert. Die Funktion wurde durch ein 100-Stunden DEKRA-Gutachten testiert. Aber ein Abverkauf des Rohdiesels war nicht möglich, da eine Entschwefelungsanlage fehlte und die Nachfrage aus der Industrie seinerzeit noch nicht vorhanden war. Was aus den widrigen Umständen folgte, war die Liquidation der MME und der Rückbau der OM1000 Pilotanlage. Verkauft werden konnte der Treibstoff erst 2013 nach unzähligen Tests und Analysen als Schiffsdiesel. 2016 folgten weitere Analysen aus der Automobilindustrie mit Freigabe in 2017 für vorgesehene Flottentests. Diese stehen bis heute aus, da die Pilotanlage bereits demontiert war.

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Große Potenziale

Überzeugt von der Idee und angespornt durch die wachsende Nachfrage aus Wirtschaft und Politik, gründete Eckhardt Siekmann als Patentinhaber im Jahr 2015 im ostwestfälischen Petershagen die TPT Technologies GmbH. Das Interesse aus der Automobilindustrie, von Kläranlagenbetreibern und großen Müllverwertern lassen ihn hoffen, dass die veranschlagten Gesamtkosten (s. unten stehendes pdf zum Projektsteckbrief) von rund 5,5 Millionen Euro  für eine Prototypenanlage  finanzierbar sind: „Wir sind optimistisch, Investoren zu finden. Schließlich nutzen wir Zivilisationsabfälle als Energiequelle, wollen einen CO2-neutralen, synthetischen, hybriden Kraftstoff zum Betrieb gängiger Motorentechnik produzieren und entwickeln einen autarken Anlagenbetrieb ohne Fremdenergie.“
 Als Finanzierungsbaustein könnte bei der NRW-BANK ein 70%-haftungsfreier Umweltkredit beantragt werden, wo das Vorhaben bereits geprüft und als förderwürdig eingestuft wurde. Einen Kontakt über die dazu beratende NRW.BANK kam über den ZENIT-Umweltexperten Michael Nolden zustande.

„Wir freuen uns über die Machbarkeits-Einschätzung von ZENIT und als neues Mitglied im Netzwerk ZENIT e.V. freuen wir uns auf viele interessante Gespräche rund um das Thema CO2-neutraler Hybrid-Kraftstoff“,  umschreibt Eckhardt Siekmann die bisherige und zukünftige Zusammenarbeit mit Verein und GmbH.

Der 2010 produzierte Rohdiesel wurde mit Hilfe des ifn-Forschungs- und Technologiezentrums mittlerweile bis zum paraffinischen Diesel aufbereitet und von einem der führenden deutschen Motorenhersteller als geeigneter Diesel-Ersatzkraftstoff eingestuft.

Knuth Nolting, der das Vorhaben seit 2015 begleitet, sieht großes Potenzial: „Jede Rohmasse die brennt, ist praktisch eine Kraftstoffressource. Weltweit werden diese Mengen aktuell überwiegend einfach nur verbrannt, wie z.B. Klärschlamm in aufwendig gebauten Mono-Verbrennungsanlagen. Dabei könnten auch Flugzeuge damit CO2-neutral betankt werden.“ Die Nachfrage nach Kraftstoff wird trotz Elektromobilität weiterhin enorm sein. Dafür sorgen allein schon die Menge der weltweit existierenden Kraftstoffmotoren, deren Lebenszeiten oder der Bedarf an Notstromgeneratoren.

Die raffinerie-ähnliche Demonstrationsanlage ist im ersten Step für die Produktion von 250 Liter/h Rohdiesel geplant. Nach erfolgreichem 100- bzw. 500-Stunden Test ist eine Erweiterung auf 500 l/h vorgesehen. Der weitere Dauerbetrieb soll Erfahrungen zur Optimierung der einzelnen Baugruppen liefern sowie Patenterweiterungen und die notwendige Weiterentwicklung des bestehenden Verfahrens beinhalten. Nach maximal 2 Jahren sind die ersten Lizenzvergaben und der Beginn der ersten Serienproduktion geplant. Die Herstellung der Bauteile in Containerbauweise wird durch Zulieferanten erfolgen.  

Potenziellen Investoren stellt Knuth Nolting gerne alle Dokumente zur Verfügung. Dazu gehören das vollständige DEKRA-Gutachten, Kraftstoffanalysen, die Wirtschaftlichkeitsberechnung und bereits vorliegende Versicherungsangebote speziell für Konstruktionsfehler und Betriebsausfall.

Das Patent läuft bis 2025. Weitere Patente werden im Zuge der Pilotanlage nachgereicht und      angemeldet und das bestehende Patent auf weitere 20 Jahre verlängert. 

Download Projektsteckbrief (pdf)

Unternehmenswebseite TPT Technologies GmbH

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Michael Nolden
Michael Nolden Dipl.-Ing.
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