Für weniger CO2 und mehr Reichweite: Aachener Unternehmen entwickelt eTrailer für Diesel- und elektrische Langstrecken-LKW und gewinnt ZENIT-Innovationspreis

Für weniger CO2 und mehr Reichweite: Aachener Unternehmen entwickelt eTrailer für Diesel- und elektrische Langstrecken-LKW und gewinnt ZENIT-Innovationspreis

Einen signifikanten Beitrag hin zur „Grünen Logistik“ will das 2018 gegründete Aachener Unternehmen Trailer Dynamics leisten. Entwickelt hat es dafür einen elektrischen Antriebsstrang für Langstrecken-LKW. Der macht Diesel-LKW CO2-ärmer, bei elektrischen Sattelzugmaschinen sorgt er außerdem für eine spürbare Reichweitenerhöhung. Basis ist der eTrailer, eine leistungsfähige elektrische Achse, die unabhängig von der Sattelzugmaschine arbeitet. Die Tests mit einem ersten Prototypen bestätigen die großen Erwartungen an das innovative System. Ausgezeichnet wurde es dafür am 17. Januar 2022 mit dem Innovationspreis des Netzwerks ZENIT e.V., der mit 10.000 Euro dotiert ist. Überreicht wurde der Preis von NRW-Innovationsminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart und dem Netzwerkvorsitzenden Thomas Eulenstein. Strategischer Kooperationspartner der Aachener ist die Krone Gruppe, einer der führenden Hersteller von Trailern, also Sattelaufliegern.

Die Umweltziele von EU und Bund sind hoch. Im Vergleich zu 1990 sollen die Netto-Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens 55 Prozent gesenkt werden. Wichtigste Zielgruppe ist für Trailer Dynamics im ersten Schritt daher insbesondere die Bestandsflotte an Diesel-Sattelzugsystemen. „Wir gehen davon aus, dass diese Systeme noch für die nächsten 20 bis 30 Jahre die überwiegende Motorisierung des Langstrecken-Güterverkehrs darstellen“ prognostizieren die beiden Gründer und Geschäftsführer Michael Nimtsch und Abdullah Jaber. Da es für LKW, die vor allem auf Kurzstrecken unterwegs sind, bereits Lösungen zur Schadstoffverringerung gibt, liegt der Fokus von Trailer Dynamics auf Diesel-LKW, die bei ihren Fahrten mehr als 500 Kilometer zurücklegen. Deren Treibstoffverbrauch soll um mehr als 20 Prozent gesenkt und damit jährlich mindestens 20 Tonnen CO2 pro Sattelzug eingespart werden. Bei einem angenommenen Marktanteil an eTrailern von 10 Prozent würde dies in Deutschland zu einer jährlichen Emissionsreduktion von mehr als einer Million Tonnen CO2 führen.

blank
Michael Nimtsch, Geschäftsführer von Trailer Dynamics erhielt den Innovationspreis aus den Händen von NRW-Innovationsminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart und dem Vorsitzenden des Netzwerks ZENIT e.V. Thomas Eulenstein

Welch tolle Ideen und Produkte herauskommen, wenn umweltfreundliche Ideen von Start-ups auf gestandene Unternehmen und Forschungseinrichtungen treffen, bewiesen 28 spannende Bewerbungen um den Innovationspreis des Netzwerks ZENIT. Drei Kooperationsprojekte hatten es ins Finale geschafft und wurden am 17. Januar 2022 von NRW-Innovationsminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart und dem Netzwerkvorsitzenden Thomas Eulenstein in einer Online-Veranstaltung geehrt. Der bereits zum zehnten Mal vergebene Preis stand in diesem Jahr unter der Überschrift „Nachhaltigkeit und Resilienz“. Gesucht worden waren Kooperationsprojekte von oder zwischen kleinen und mittleren Unternehmen, Start-ups und/oder Hochschulen bzw. Forschungseinrichtungen.

Gewinner des mit 10.000 Euro dotierten Innovationspreises ist das Aachener Unternehmen Trailer Dynamics.

Profitieren vom eTrailer sollen nicht nur die Umwelt, sondern auch die Logistikunternehmen. Dank der zusätzlichen eAchsen-Leistung wird die Sattelzugmaschine im Antrieb unterstützt, kann zusätzlich einfach kleiner dimensioniert werden und verringert damit die laufenden Betriebskosten bzw. TCO. Das System selbst ist herstellerunabhängig und lässt sich mit allen gängigen Sattelzugmaschinen kombinieren.

Das Funktionsprinzip des Systems ist komplex: Die elektrische Achse ersetzt eine der herkömmlichen, nicht angetriebenen Achsen des Trailers. Ein sensorischer Königszapfen ermöglicht außerdem eine mit der Sattelzugmaschine unabhängige funktionssichere Echtzeit-Steuerung des elektrischen Antriebsstrangs. In Kombination des eTrailers mit dem Dieselfahrzeug wird damit das gesamte Sattelzugsystem in einen elektrischen Plug-In-Hybrid umgewandelt.

Reichweitenvergrößerung von E-LKW
In einem weiteren Entwicklungsprojekt setzt Trailer Dynamics auf die Verlängerung von Reichweiten bei bereits vorhandenen elektrischen Sattelzügen. „Momentan ist noch keine batteriegetriebene Sattelzugmaschine in der Lage, ausreichend Energie für lange Strecken von mehr als 300 Kilometern im Schwerlastverkehr zur Verfügung zu stellen“, sagt Michael Nimtsch. Mit dem Range Extender, einer Modifikation des eTrailers, biete man eine Lösung, die lange Strecken von mehr als 800 km vollelektrisch erlaube und die Ladezyklen im Umfeld einer noch unvollständigen Ladeinfrastruktur reduziere. Das aber sei zentral für die grundsätzliche Akzeptanz der E-LKW.

Kooperation mit Krone
Die strategische Kooperation mit dem Trailerhersteller Krone aus dem niedersächsischen Werlte sichert im laufenden Prozess eine kompetente Industrialisierung, eine qualitative und schnelle Markteinführung und einen professionellen After Sales-Service. Der stete Erfahrungsaustausch im Rahmen der weiteren Entwicklung, Effizienzsteigerung, Konstruktion, Gewichtsreduktion und die Einhaltung von Mindeststückzahlen ist für das Trailer Dynamics-Team ein wesentlicher Baustein auf dem Weg zur Vorserie.

Finanziert werden die beiden Projekte auch durch eine steuerliche Forschungsförderung und öffentliche Fördermittel.

Homepage Trailer Dynamics
Kurz-Video zur Innovation auf Youtube
Krone Gruppe

X