Biologisierung der Wirtschaft: Beitrag zur Verbesserung von Umweltbilanz und Zukunftsfähigkeit

Biologisierung der Wirtschaft: Beitrag zur Verbesserung von Umweltbilanz und Zukunftsfähigkeit

Wer die Produktion seiner Textilien abriebfester, Lebensmittel länger haltbar, Oberflächen antibakteriell, Hautcremes energiesparend produzieren oder seine Wandfarbe Grünspan-resistent machen möchte, hat mit der MSLsolutions GmbH aus Oberhausen einen kompetenten Ansprechpartner. Das 2019 gegründete neue Netzwerk ZENIT-Mitglied hat dafür eine Technologie entwickelt, die sich dank Membran-strukturierter Lipide (MSL) in unglaublich vielen Anwendungsfeldern einsetzen lässt. Unterstützt wird das Unternehmen vom NRW.Europa-Team bei ZENIT.

„Bioökonomie ist der Wandel der industriellen Produktion von petrochemischen zu nachhaltigen Rohstoffen. Wassergefährdende Stoffe, Mikroplastik und hohe Energieverbräuche in Produktionsprozessen gibt es überall und gefährden unsere Lebensgrundlage. Um dem entgegenzuwirken, haben wir der Natur auf die Finger geschaut und sind auf natürliche Membransysteme gestoßen. Die lassen sich energiearm nachbauen und für die großtechnische Anwendung nutzbar machen. Das ist unser Geschäftsmodell“, erklärt Gerd Dahms die Idee hinter seinem Unternehmen.

Seit Jahrzehnten kümmert sich der Chemiker erfolgreich um Innovationen für eine nachhaltigere Wirtschaft und eine bessere Zukunft. Mit seinem Oberhausener Start-up will er andere Unternehmen nicht nur dabei unterstützen, auf die aktuellen Herausforderungen wie Klimawandel, Umweltverschmutzung oder die Verknappung von Energie-Ressourcen reagieren zu können. „Es geht um nicht weniger als die Steigerung von Effizienz und Produktivität. Und das, ohne Produkte oder Produktionsprozesse grundlegend neu zu erfinden oder Zugeständnisse an die Qualität machen zu müssen“, beschreibt Dahms die Anwendervorteile.

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Membran-strukturierte Lipide speziell in Form von Lipid-Nanopartikeln (LNP) gewinnen wegen ihrer vielseitigen Potenziale eine immer größere Bedeutung und werden in unterschiedlichsten Bereichen wie der Kosmetik, Pharmazie, bei Nahrungsmitteln, Farben und Lacken, Textilien oder in der Baubranche eingesetzt.

Praktisch denkbar ist der Einsatz von LNPs, die den sogenannten Liposomen (Fettkörperchen) ähneln, in unzähligen Feldern. Als Träger für Arzneistoffe in der Medizin werden sie bereits seit mehr als 20 Jahren eingesetzt.

Einen großen Markt sehen Justine Otto und Ben Ceylan, die die Bereiche Unternehmensstrategie und Kommunikation bei MSLsolutions leiten, im Bereich Personal Care: „Die Herstellung von Emulsionen wie zum Beispiel Cremes ist extrem energieintensiv. Mit unserem Verfahren für Membran-strukturierte Emulsionen lassen sich viele Produktionsschritte und damit Energie-Ressourcen ganz einfach einsparen. Theoretisch reicht es aus, wenn der Hersteller seine Rezeptur durch unsere Methode modifizieren lässt und sie dann in einer Art Rührschüssel zusammenmischt.“

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Besonders viele interessante Anwendungsmöglichkeiten gibt es im Beschichtungsbereich. Nicht nur Wandfarben werden durch den LNP-Zusatz physikalisch und damit Biozid-frei antibakteriell und beugen so der Keimbildung oder dem Algenbefall vor. Auch andere Oberflächen, die diese Eigenschaft haben sollen, lassen sich auf diese Art beschichten und genügen damit hohen Hygiene- und Umweltstandards.
Bei der Anwendung im Textilbereich trägt das Verfahren zur Verringerung von Mikroplastik-Abrieb von Fasern bei, dient der Imprägnierung von Polstern, Kleidung und sonstigen Textilien oder der Veredelung von Vliesstoffen und Textilien, zum Beispiel durch UV-Schutz oder funktionelle Aktivstoffe.

Viel Chemie ließe sich auch im Lebensmittelsektor einsparen. Fleisch, Fisch, Obst und Gemüse könnten biogen länger haltbar gemacht oder sogar ganz neue Geschmacksvarianten in beliebte Backwaren „eingebaut“ werden. Möglichkeiten gibt es viele, wissen Justine Otto und Ben Ceylan und „vielleicht mag manch einer gerne einmal ein Brötchen mit Kaffeegeschmack probieren oder würde sich über Vitamine im Brot freuen. Zumindest technisch ist das kein Problem.“

ZENIT-Unterstützung durch Strategieworkshop und Kontakte

Auf welche Themenfelder sich das junge Unternehmen konzentrieren sollte, war Thema eines Strategieworkshops mit ZENIT-Technologieberater Michael Nolden im Frühjahr dieses Jahres. Erstellt wurde außerdem ein Profil für die Datenbank des Enterprise Europe Network, über das potenzielle Kooperationspartner gefunden werden können. Über einen Kontakt zu Professor Amir Fahmi von der Hochschule Rhein-Waal aus dem Fachbereich Technologie und Bionik entstand im Rahmen eines ersten Gesprächs eine Diskussion über mögliche Kooperationsansätze mit dem Experten für Materialwissenschaften. Ein ZENIT-Kontakt zur Wirtschaftsförderung in Oberhausen half beim Finden eines neuen Firmensitzes und das Thema Wachstumsförderung erörtern die Unternehmensverantwortlichen jetzt mit der NRW.BANK.
Dank der ZENIT-Einbindung in das Enterprise Europe Network war die Beratung des NRW.Europa-Teams für das junge Unternehmen kostenfrei.

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„Wir sind Mitglied im Netzwerk ZENIT, weil wir das branchenübergreifende Know-how der Akteure für unsere Innovationen und Angebote nutzen und auf der anderen Seite unsere Expertise im Zusammenspiel von Wirtschaft und Wissenschaft zur Verfügung stellen möchten.“ Gerd Dahms, Inhaber der MSLsolutions GmbH



Die Oberhausener freuen sich auf Kontakte zu Unternehmen, die praxistaugliche und effektive Lösungen zur Prozessoptimierung, für Produktentwicklungen oder Lösungen suchen oder die innovative, zum Patent angemeldete Technologie in-house über eine Lizenzierung nutzen wollen.

Unternehmenswebseite MSLsolutions

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Michael Nolden
Michael Nolden Dipl.-Ing.
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