Abmahnwelle wg. Google Fonts: Netzwerk ZENIT informiert über datenschutzkonforme Webseiten

Abmahnwelle wg. Google Fonts: Netzwerk ZENIT informiert über datenschutzkonforme Webseiten

Jedes Unternehmen, jede Organisation hat sie: Webseiten sind Standard und Aushängeschild. Ende letzten Jahres wurden viele Betreiber von einer Abmahnwelle bedroht, deren Schlüsselwort Google Fonts hieß. Um dagegen gewappnet zu sein, informierte Vereinsmitglied RA Stefan Sander in einer digitalen „Lunchtime-Veranstaltung“ des Netzwerks ZENIT über den richtigen Umgang mit den Fonts und gab Tipps für einen datenschutzkonformen Betrieb der eigenen Webseite. Wer die Veranstaltung verpasst hat, kann sich jetzt den Mitschnitt ansehen.

Die Abmahnungen beinhalteten Schadenersatzforderungen zwischen 100 und 280 Euro. Begründung: angebliche Verstöße gegen die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) aufgrund der datenschutzwidrigen Einbindung von Google Fonts auf der Unternehmenswebsite. In vielen Fällen kamen die Forderungen von Rechtsanwaltskanzleien, u.a. auch aus NRW. Den meisten Unternehmen war überhaupt nicht bewusst, möglicherweise einen solchen Verstoß zu begehen.

Google Fonts sind kostenlose Schriftarten, die von Google zur Verfügung gestellt und auf der eigenen Webseite genutzt werden können.
Sie müssen dafür nicht auf dem eigenen Webserver installiert sein, sondern können direkt von Google abgerufen werden.

Begründet wurden die Schreiben mit Verweis auf eine Entscheidung des Landgerichts München vom Januar 2022, in dem das Gericht ein Unternehmen wegen der datenschutzwidrigen Einbindung von Google Fonts dazu verurteilt hatte, dem Kläger 100 Euro als immateriellen Schadenersatz zu zahlen. Bei wiederholtem Verstoß wurde ein Ordnungsgeld von bis zu 250.000 Euro angedroht. Der Kläger hatte die Webseite des beklagten Unternehmens besucht und seine IP-Adresse nachweislich an Google weitergeleitet worden, ohne dass er damit einverstanden war.

Im Dezember 2022 bestätigte sich der Verdacht, dass es sich bei den allermeisten “Abmahnungen” um Betrugsversuche handeln dürfte. Die Generalstaatsanwaltschaft Berlin erklärte dazu, strafrechtliche Ermittlungen gegen einen Berliner Anwalt sowie dessen Mandanten wegen (versuchten) Betruges und Erpressung aufgenommen zu haben. Den Beschuldigten wird vorgeworfen, mittels einer speziellen Software zahllose Webseiten durchforstest zu haben und dann wahllos und ohne tatsächlichen Schaden, Schmerzensgeld verlangt zu haben, obwohl klar war, dass ein solcher Anspruch nicht besteht.

Der rund 50 Minuten lange Live-Mitschnitt liegt auf Youtube

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Dr. Karsten W. Lemke
Dr. Karsten W. Lemke Dipl.-Chemiker
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