Innovation im Gesundheitswesen: „SomaView“ verbindet „Augmented Reality“ (AR) mit dem klassischen Ultraschall-Verfahren

Für den diesjährigen Innovationspreis wurden technologisch ausgerichtete Kooperationsprojekte zwischen Unternehmen und Start-ups (nicht älter als fünf Jahre) oder zwischen Unternehmen, Start-ups und Hochschulen / Forschungseinrichtungen zu den digitalen Themen der Zukunft gesucht. Mehr als 20 Projekte mit hoch interessanten Wettbewerbsbeiträgen wurden in einer Vorauswahl bewertet.

Kriterien waren die Kooperationsidee und -durchführung, der Innovationsgehalt des Projekts, wie etwa die Übertragbarkeit des Produkts und des Prozesses auf andere Branchen, erwarteter Projekterfolg und die Agilität der Zusammenarbeit.

Die Innovationspreisverleihung ist auf den 29. September 2020, 18.00 Uhr, verschoben worden. Die Finalisten stellen wir Ihnen in dieser Woche in alphabetischer Reihenfolge vor.

SomaView

Gemeinsam mit der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen und dem Universitätsklinikum Frankfurt am Main entwickelte das in Bochum ansässige Start-up SomaView im Projekt „ARNI“ ein Assistenzsystem, das Ärzte bei Herzuntersuchungen unterstützen soll. Denn das Anlegen eines zentralen Venenkatheters (ZVK) birgt große Gesundheitsrisiken, die insbesondere beim Einstechen der notwendigen Hohlnadel in die Halsvene entstehen. Bislang werden Mediziner durch Ultraschallgeräte nur passiv unterstützt.

Die Kombination aus einer AR-Brille und der im Projekt entwickelten Software ermöglicht den Ärzten nun einen direkten Blick in den Patienten mittels AR-Ultraschall, indem Ultraschallbilder und Patientenanatomie verschmolzen werden. Zudem unterstützt es das Auffinden einer optimalen Punktionsstelle anhand objektiver Kriterien und das Erkennen der anvisierten Vene im Ultraschallbild. Damit wird eine objektive Bewertung der Hohlnadel-Lage im Ultraschallbild und eine Ultraschall- und AR-gestützte Dokumentation des Eingriffs ermöglicht.

Nach erfolgreicher Evaluierung können die Ergebnisse auf andere medizinische Eingriffe, die auf ultraschallgeführten Nadelinterventionen beruhen, übertragen werden. So können z.B. Tumorbiopsien und Regionalanästhesien verbessert und die Patientensicherheit erhöht werden. „Das kann uns weitere Geschäftsfelder eröffnen“, ist sich CEO Stefan Maas sicher. „Augmented Reality“ ist noch eine recht junge Technologie mit rasanter Entwicklungsgeschwindigkeit und einem recht hohen Entwicklungsbedarf – sowohl bei der Hard- als auch bei der Software. So durften die Projektpartner aus jeweils unterschiedlichen Blickwinkeln die Vor- und Nachteile dieser Technologie kennenlernen.

Anfang 2019, direkt zu Beginn des Projekts, meldete beispielsweise der Hersteller ODG, dessen AR-Brille im Projekt zum Einsatz kommen sollte und mit der die SomaView bereits umfangreiche Erfahrungen gesammelt hatte, Insolvenz an. Die Suche nach einer geeigneten Ersatzbrille erwies sich als schwierig, da die meisten verfügbaren AR-Brillen nicht die spezifizierten Anforderungen erfüllten. Nur die Firma DAQRI bot eine AR-Brille an, die im Mai 2019 für das Projekt angeschafft wurde. Anfang September 2019 wurde bekannt, dass DAQRI ebenfalls insolvent ist und die Produktion und den Support ab sofort einstellt. „Das Marktgeschehen müssen wir bei zukünftigen Projekten verstärkt beobachten“, beschreibt Stefan Maas seinen Wissensfortschritt aus der jüngsten Entwicklung.

Die Medizin gehört generell zu den Bereichen, die von diesem technischen Fortschritt am meisten profitieren, um präzisere Untersuchungsmethoden zu ermöglichen. Zwar werden Krankenhäuser zunehmend digitaler und smarter, aber das Feld der Ultraschalldiagnostik, hat sich seit seiner Einführung vor ungefähr 60 Jahren kaum verändert. Und dabei ist es das weltweit am weitesten verbreitete bildgebende Untersuchungsverfahren.

Denn ohne die Erzeugung radioaktiver Strahlung (CT) oder elektromagnetischer Felder (MRT), ist die Ultraschalldiagnostik besonders für den Einsatz in der Geburtshilfe und in der Gynäkologie geeignet.Darüber hinaus wird sie als Standardmethode zur Kontrolle bei minimal-invasiven Biopsie-Verfahren verwendet. So haben die Ärzte mit der neuen Technik, inklusive AR-Brille, künftig alles im Blick.

Ziel ist es, dem Mediziner eine ergonomischere und intuitivere Ultraschalldiagnostik zu ermöglichen, indem er das Ultraschallbild mit Hilfe der Datenbrille direkt unter dem Ultraschallkopf sehen kann. Die Dreidimensionalität ist dabei die eigentliche Innovation. Sie ermöglicht einen räumlichen Blick, der vor allem für Biopsie-Verfahren wichtig ist. Der Nutzen liegt dabei auch in der Senkung der Untersuchungskosten durch Zeitersparnis und einem damit einhergehenden reduzierten Infektionsrisiko.

Andere Finalisten:
ClockIn
Heuremo
MotionMiners
Topikon


Weitere Informationen
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Simone Stangier
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