06.09.2017 10:10

Autoexperte Prof. Dr. Schreckenberg bei ZENIT


Das sicherste Fahren ist, überhaupt nicht zu fahren

Staus, Unfälle, Umweltbelastungen. Folgt man den Zukunftsvisionen einiger Autoexperten, gehört all dies irgendwann der Vergangenheit an. Das Zauberwort heißt `autonomes Fahren´ und malt ein Bild, in dem das Auto vollkommen selbständig all das entscheidet, wozu heute noch ein Fahrer verantwortlich ist.

Netzwerk ZENIT e.V.-Vorstandsmitglied Dr. Friedel Meister begrüßte die Gäste

Prof. Dr. Michael Schreckenberg, anerkannter Experte der Universität Duisburg-Essen für alles, was mit dem Auto der Zukunft zu tun hat, holte die zahlreichen Gäste beim 184. Unternehmertreff des Netzwerk ZENIT e.V. am 5. September aber schnell in eine ganz andere Realität. Zwar ließ sein Redetitel „Braucht das Auto den Menschen noch? - Autonomes Fahren und die Folgen!“ erahnen, wohin die Reise perspektivisch geht, allerdings sei erst in 30 Jahren damit zu rechnen, dass die Technik in der Lage ist, aus der Vision Realität werden zu lassen. Dafür verantwortlich seien vor allem uneinheitliche Verkehrssysteme und die noch nicht ausgereifte Sensorik der Fahrzeuge. Nur eine totale Vernetzung aller Systeme könne für akzeptable technische Lösungen sorgen. Letzten Endes sei das sicherste Fahren allerdings, überhaupt nicht zu fahren. Dies wüssten auch immer mehr junge Menschen, die zunehmend auf ein eigenes Auto verzichten. Ein ganz wesentlicher Aspekt beim Thema `autonomes Fahren´ seien auch die rechtlichen und ethischen Rahmenbedingungen. Entschieden sei zum Beispiel noch nicht, ob ein autonomes Auto sich in einer Extremsituation dafür entscheiden müsse, in eine Personengruppe zu fahren oder in eine Mauer auszuweichen und den Tod des Fahrers damit in Kauf zu nehmen.Und weil „Infrastrukturprojekte heute Sanierungsprojekte“ sind und es in Zukunft nicht mehr viele neue Straßen geben werde, komme es jetzt vor allem darauf an, den Güterverkehr anders zu organisieren und den Öffentlichen Verkehr zu verbessern.

Prof. Dr. Michael Schreckenberg überzeugte durch Fachwissen, Temperament und viele Anekdoten

Den Parteien, die sich beim Thema Verkehr aus der Verantwortung stehlen würden, stellte der Verkehrsexperte kein gutes Zeugnis aus. Allerdings hätten Verkehrspolitiker auch keinen erstrebenswerten Job, wüssten sie doch, dass in nächster Zukunft alles nur noch schlimmer werde.